• Florian Krumböck

St. Pölten und sein jüdisches Erbe

Mit einem einstimmigen Beschluss hat sich der St. Pöltner Gemeinderat für einen Instandhaltungsvertrag mit der IKG Wien im Blick auf den jüdischen Friedhof in der Landeshauptstadt ausgesprochen. Bei der Diskussion war aber auch die aktuelle Situation des Antisemitismus in Österreich Thema.

Thema der Diskussion war der angesprochene Vertrag mit der IKG Wien, der auch den Schlussstein für die Restaurierung des jüdischen Friedhofs in der Karlstettner Straße bildet. "Und auch wenn es nicht um viel Geld geht und der Abschluss von Verträgen zum Standard-Beschlusswerk des Stadt- und Gemeinderats zählt, ist dieser Beschluss doch besonders", hielt ÖVP-Klubobmann und Bundesrat Florian Krumböck im Blick auf den mit jährlich 6.000 Euro dotierten Vertrag fest. "Denn er ist ein ehrenvoller Blick in die Vergangenheit und ein klarer Auftrag für die Zukunft. Und darauf, geschätzte KollegInnen, können wir stolz sein!"


Antisemitismus begegnen & Gedenken hochhalten

Krumböck nahm den Tagesordnungspunkt auch zum Anlass, aktuelle Themen in Bezug auf den herrschenden Antisemitismus speziell bei Corona-Demonstrationen anzusprechen: "Der Antisemitismus ist nicht Geschichte. Er ist zu Teilen importiert. Er ist aber auch immer noch in unserer Gesellschaft verankert. Denn gerade in den letzten Wochen und Monaten sehen wir, dass die Erinnerung an diese Verbrechen an der Menschheit - ganz konkret an Jüdinnen und Juden - verharmlost und politisch missbraucht wird. Auch in St. Pölten haben sich Menschen zusammengefunden und skandiert, sie seien die „neuen Juden“. Das geht nicht, geschätzte Kolleginnen und Kollegen."


Er verwies auf Margot Frieländer, Überlebende des KZ Theresienstadt, die am Gedenktag der Opfer des Holocausts im EU-Parlament meinte: „Ungläubig musste ich mit meinen nunmehr einhundert Jahren sehen, wie Symbole für unsere Ausgrenzung durch die Nazis, der sogenannte Judenstern, heute von neuen Feinden der Demokratie auf offener Straße schamlos benutzt werden, um sich selbst – mitten in einer Demokratie! - als Opfer zu stilisieren. An einem Tag wie heute müssen wir zusammenstehen, damit die Erinnerung an den Holocaust wahrhaftig bleibt und von niemandem missbraucht wird.“


"Wenn wir uns heute zusammenfinden, um dem jüdischen Erbe unserer Heimat- und Landeshauptstadt ein ehrenvolles Gedenken zu ermöglichen, dann lassen Sie uns auch dazu klare Worte finden", rief Krumböck auf. Wer so auftritt, der trete das Gedenken an die Verbrechen und diejenigen, die zu Tode gekommen sind mit Füßen. Wer sich mit solchen Menschen gemeinsam auf den Weg macht, keine klaren Worte findet und sogar stillschweigend zustimmt, tue das ebenfalls. "Und das gilt im besonderen Sinne für gewählte PolitikerInnen – egal ob auf Gemeinde-, Landes- oder Bundesebene", hielt der ÖVP-Politiker klar fest.


"Bewahren wir uns ein würdiges Gedenken an die Opfer des Holocaust. Sorgen wir für ein mahnendes Gedenken daran, wozu eine Gesellschaft möglich sein kann. Und setzen wir uns gemeinsam für ein bewusstes Gedenken ein, das Wissen und Zugänge zu den Schicksalen schafft und vor allem einer Relativierung und Verhöhnung der vielen Toten einen Riegel vorschiebt", appellierte der Klubobmann.


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